„Papa hat meiner Schwester etwas in den Bauch getan“, erzählte die siebenjährige Charlotte dem Polizisten am Empfang.
„Er hat sie gezwungen, es zu schlucken, und ihr verboten, irgendjemandem davon zu erzählen.“
Die Glastür bebte erneut. „Charlotte!“, rief Douglas laut. „Delilah! Kommt heraus. Papa ist hier.“

Charlotte klammerte sich an Terrences Ärmel.
„Er lügt.“ Terrence sah zu ihr hinunter. „Was hat er dir erzählt?“
Charlotte schluckte schwer. „Er hat gesagt, wenn Delilah krank wird, nehmen sie sie uns weg.“
Ein weiterer heftiger Ruck ließ die Tür erzittern. Terrence griff nach seinem Funkgerät.
„Einheit 12 an Zentrale. Wir benötigen sofort Verstärkung. Möglicher Vergiftungsfall. Der Verdächtige versucht, in die Wache einzudringen.“
Plötzlich hielt Douglas inne.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Es war keine Wut.
Es war Angst. Terrence bemerkte es sofort.
Dann hörte er hinter sich eine leise Stimme. „Officer?“
Delilah saß inzwischen aufrecht. Das Rettungsteam war durch den Hintereingang gekommen und untersuchte sie.
Sie deutete auf die versiegelte Spritze. „Das ist nicht das, was Papa mir gegeben hat.“
Für einen Moment sagte niemand etwas. Terrence drehte sich zu ihr um. „Was meinst du damit?“

Delilah griff in die Tasche ihres Kapuzenpullovers und zog einen winzig gefalteten Zettel heraus.
„Ich habe ihn unter seinem Bett gefunden.“
Terrence nahm das Papier vorsichtig entgegen und faltete es auseinander.
Darauf standen handschriftlich mehrere Daten, Namen und Medikamentencodes.
Ganz unten befanden sich nur zwei Worte: ALS NÄCHSTES: CHARLOTTE.
Terrences Gesicht wurde ernst. Bei den Beweisen ging es längst nicht mehr nur darum, was Delilah zugestoßen war.
Der Zettel deutete darauf hin, dass jemand etwas für beide Mädchen geplant hatte.
Draußen begann Douglas erneut zu schreien. Dann klingelte sein Handy. Er nahm den Anruf entgegen. „Hallo?“
Eine Frauenstimme drang aus dem Lautsprecher.
Terrence konnte die Worte nicht verstehen, doch er sah, wie Douglas plötzlich jede Farbe aus dem Gesicht wich.
Die Frau sagte etwas, woraufhin er leise antwortete: „Du hättest sie nicht anrufen dürfen.“
Terrence gab einem anderen Beamten sofort ein Zeichen, das Gespräch aufzuzeichnen.

Douglas blickte durch die Glasscheibe.
Zum ersten Mal sah er nicht zu seinen Töchtern. Sein Blick fiel auf die Spritze.
Dann auf den Beweisumschlag. Und schließlich auf Terrence. In diesem Moment wusste er, dass alles vorbei war.
Die Mädchen waren genau dort gelandet, wo seine Geschichte sie nicht mehr schützen konnte.
Charlotte nahm Delilahs Hand. Terrence ging neben ihnen in die Hocke. „Ihr seid jetzt in Sicherheit.“
Charlotte blickte zur verriegelten Eingangstür. „Für immer?“

Terrence sah kurz zum Rettungswagen, zum Beweisbeutel und zu den Beamten, die gerade eintrafen.
„Niemand kann dir versprechen, dass alles für immer so bleiben wird.“
Er legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Aber heute Abend musst du keine Angst davor haben, nach Hause zu gehen.“
Hinter der Glasscheibe legten die Beamten Douglas Handschellen an.
Und zum ersten Mal an diesem Nachmittag hielt Delilah nicht mehr ihren Bauch fest. Stattdessen griff sie nach der Hand ihrer Schwester.
