Nach einem Vierteljahrhundert erschien der Vater zur Hochzeit seiner Tochter – doch man wies ihn ab… Kurz darauf brach bei allen Gästen ein heftiges Weinen aus.
Ein älterer Herr in einem abgetragenen, aber gepflegten Anzug trat an den Eingang eines noblen Restaurants heran.
Er verweilte einen Moment, betrachtete sein Spiegelbild im Fenster und ging dann hinein. Sofort wurde er vom Türsteher aufgehalten:
— Wer bist du? Hier ist kein Sozialamt!

— Ich bin wegen der Hochzeit… Meine Tochter heiratet heute, — antwortete der Mann leise.
Der Türsteher rief sofort Verstärkung. Diese führten ihn in einen Nebenraum, wo eine Frau – die Mutter des Bräutigams – bereits wartete:
— Geh wieder. Du gehörst nicht hierher.
— Verzeihen Sie, ich wollte nur meine Tochter sehen…
Die Frau konnte kaum glauben, dass dieser Mann der Vater der Braut sein sollte.
— Hier sind nur angesehene Leute. Und wer bist du überhaupt?
— Wasili Igorewitsch, — stellte er sich vor und bot die Hand an. Die Frau wich zurück. Er erklärte weiter:
— Ich bin nicht wegen des Essens hier. Ich habe fast meine gesamte Rente für die Reise ausgegeben…

— Warte hier, wir bringen dir Essensreste, — sagte die Frau mit einem Hohn.
— Ich brauche nichts davon. Ich möchte nur Jana sehen.
— Alles wurde bezahlt und organisiert, — meldete sich der Bräutigamvater zu Wort. — Und du stehst einfach so hier und willst zuschauen?
— Jana ist für uns wie eine Tochter geworden! Sie gehört zu unserer Familie! Und du glaubst, du kannst einfach auftauchen?
Die Frau sah ihn mit Verachtung an:
— Vielleicht bist du gar nicht ihr Vater?
Der alte Mann senkte den Blick, verschränkte die Hände und schaute auf seine geputzten, aber abgenutzten Schuhe, dann auf die Lederschuhe des anderen Mannes.
Schwer seufzend stimmte er zu, die „Reste“ anzunehmen.
Die Gruppe verließ den Raum und ließ ihn allein zurück.

Doch Jana war tatsächlich seine Tochter. Seit 25 Jahren hatten sie keinen Kontakt. Er selbst gab sich die Schuld daran.
Seine Frau war an Krebs gestorben, und er stand allein da mit einem Kind… und überfordert.
„Hätte ich nur gewusst, wie alles enden würde…“, dachte er traurig.
Sein Job war hart, das Haus dringend renovierungsbedürftig, und Jana brauchte Fürsorge.
Auf der Suche nach einem besseren Leben erfuhr er von guten Arbeitsmöglichkeiten in Norwegen.
Aber wer sollte sich um Jana kümmern, wenn er mehrere Jobs annimmt?
In seiner Verzweiflung gab er sie in ein Internat, in der Hoffnung, bald zurückzukehren – mit Geld, Geschenken und einem Neuanfang.
Als er zurückkam, erfuhr er, dass das Internat geschlossen wurde und die Kinder verteilt worden waren.
Er suchte verzweifelt nach ihr, doch man sagte ihm immer wieder: „Sie haben selbst auf die Betreuung verzichtet.“

Das Geld war für eine unbrauchbare Renovierung ausgegeben, die Geschenke lagen vergessen im Schrank. Für Jana war er ein Fremder geworden.
Die Jahre vergingen. Er wurde Opfer von Betrügern, suchte vergeblich weiter…
Bis er eines Tages ein fremdes Handy fand und Fotos eines Mädchens sah, das seiner verstorbenen Frau ähnelte.
Er kontaktierte die Besitzerin und erfuhr: Das Mädchen auf den Bildern war seine Tochter. Ein Wunder.
Er wollte zur Hochzeit kommen, wurde aber abgewiesen.
Als die Eltern des Bräutigams kurz den Raum verließen, schlich er sich heimlich hinein und sang ein Lied, das er für Jana geschrieben hatte.
Der Saal wurde still. Jana trat vor, nahm das Mikrofon und sagte:
— Das ist mein Vater. Er war immer in meinem Herzen.
Sie umarmten sich, und sogar die Eltern des Bräutigams zeigten sich bewegt.

Später überreichte Wasili Igorewitsch Jana eine kleine Schachtel – ein Erbstück ihrer Mutter. Eine Kette, die nun ihr gehörte – und eines Tages ihrer eigenen Tochter.
Wasili Igorewitsch bemerkte, wie sich der Blick der Brauteltern ihm gegenüber verändert hatte.
Die vormals kalte Mutter sah ihn jetzt mit Respekt an, denn sie hatte verstanden, wie wichtig es für Jana war, ihren Vater zu treffen.
— Bitte vergib mir, — sagte er leise.
Jana erwiderte nur mit einer Umarmung. Worte waren nicht nötig – das Wichtigste war, dass sie zusammen waren.
Unbemerkt verließ er die Feier, um niemanden zu stören. Zurück in seinem alten, verfallenen Haus war alles wie zuvor – still und einsam.

Doch eines Tages klopfte es an der Tür. Jana stand dort, mit einem Lächeln und einem Koffer.
— Ich habe dir vergeben. Ich möchte bei dir sein, — sagte sie.
Als Kind hatte man ihr erzählt, ihr Vater habe sie verlassen.
Deshalb war sie misstrauisch und selbstständig aufgewachsen.
Sie hatte ihn lange gesucht, doch Angst hielt sie zurück. Erst das verlorene Handy half ihnen, wieder eine Familie zu werden.
