Ich halte es nicht länger aus, geh!

Ich halte es nicht länger aus, geh!

— Willst du wirklich alles ruinieren und meine gesamte Arbeit sabotieren?!

Du… Du machst mich in letzter Zeit einfach verrückt! Alles, was du tust, scheint aus Trotz zu sein! — schrie Pavel seine Frau an, die kaum auf den Beinen stehen konnte.

In letzter Zeit hatte Pavel das Gefühl, Polina nicht mehr zu erkennen.

Statt der lebhaften, fröhlichen Frau, die er fast ein Jahrzehnt lang geliebt hatte, stand ihm eine andere gegenüber — blass, ruhig, erschöpft.

Sie weinte immer häufiger ohne ersichtlichen Grund und geriet immer öfter außer Kontrolle, wenn es darum ging, die Kinder zu beruhigen.

Sie schrie sie an und entschuldigte sich später mit den Worten: „Ich bin einfach so müde, es tut mir leid.“

Zuerst versuchte Pavel, Verständnis zu zeigen. „Es wird schon wieder“, dachte er.

Doch mit der Zeit begann er, sich immer mehr zu distanzieren. Der heutige Abend war für ihn besonders wichtig.

Ein Abendessen mit potenziellen Geschäftspartnern — eine Gelegenheit, die er seit Wochen zu organisieren versuchte.

Polina wusste, wie bedeutend ihm dieses Treffen war. Er hatte ihr sogar ein Kleid ausgesucht — eines, das sie schon lange nicht mehr getragen hatte.

Dunkelblau, figurbetont. In diesem Kleid hatte sie früher fantastisch ausgesehen. Doch jetzt, selbst in diesem eleganten Outfit, wirkte sie irgendwie verloren.

Der Weg zum Restaurant verlief ruhig. Pavel stieg zuerst aus, richtete seinen Hemdkragen und drehte sich dann zu Polina um. Doch sie starrte ins Leere.

— Polina, kommst du?! — rief er über die Schulter. — Wir sind schon spät.

— Warte… — Sie hielt sich an den Stufen fest, schwankte und griff nach dem Geländer. — Mir ist schwindelig…

Er drehte sich um. Ihr Gesicht war noch blasser als zuvor. Sie schloss die Augen, als ob sie starken Schmerz verspürte. Und plötzlich platzte es aus ihm heraus.

— Was ist jetzt los?! — brüllte Pavel. — Gerade jetzt?! Willst du alles kaputt machen?!

— Es ist nicht absichtlich… — flüsterte sie, ohne ihn anzusehen.

— Nicht absichtlich?! Das geht schon die ganze Zeit so! Immer bist du entweder müde oder abwesend, kannst nicht, willst nicht…

Wie lange soll das noch so weitergehen, Polina?! Du sabotierst alles! Und heute ruinierst du auch noch meine Arbeit! Hast du überhaupt eine Vorstellung, wie das auf mich wirkt?

Polina blickte ihn verwirrt an. Er war voller Zorn, und sie konnte nichts erwidern:

— Es geht mir einfach nicht gut…

— Dann fahr nach Hause. Geh einfach aus dem Weg! Ich habe keine Zeit für einen Drama heute Abend. Danke, dass du wenigstens versucht hast!

Er drehte sich um und ging in das Restaurant, ohne sich noch einmal umzusehen. Polina blieb alleine draußen stehen.

Das Abendessen verlief gut. Pavel war höflich und charmant zu den Geschäftspartnern, machte ein paar Scherze und versuchte, sie mit seinen Angeboten zu überzeugen.

Der Vertrag war fast sicher in seinen Händen.

Jetzt stand Pavel vor der Tür seiner Wohnung und überlegte, ob er klingeln sollte.

Das Handy in seiner Tasche, aber er zog es nicht heraus. Er stand einfach nur da und starrte auf die Tür.

Er erinnerte sich an eine Zeit, in der Polina anders war… Sie war die perfekte Frau, eine großartige Mutter.

Aber jetzt konnte Pavel die Veränderungen in ihr nicht erklären.

— Was soll ich nur tun? — flüsterte er vor sich hin.

Sein Herz zog sich zusammen. Er hatte Angst, hineinzutreten, nicht weil er einen Streit erwartete, sondern weil er wusste, dass Polina wahrscheinlich schweigen würde.

Aber er hatte die Angst, dass es ihr wirklich schlecht ging und es viel ernster war, als er es sich eingestehen wollte.

Pavel fühlte sich zunehmend verwirrt in seinen Gefühlen.

Er versuchte, nicht wütend zu sein, sich zusammenzureißen. Aber es wurde immer schwieriger. Polina hatte sich verändert — und er sah es jeden Tag. Sie war schwach, müde, gereizt.

Sie entschuldigte sich ständig, aber ihm kam es immer vor, als ob sie einfach anders hätte reagieren können.

Und das Schlimmste — er begann, Hass für sie zu empfinden. Manchmal wollte er einfach gehen, die Tür zuschlagen und nie wieder zurückkehren.

Er wusste, dass das nicht richtig war, dass es nicht so sein sollte. Aber er konnte sich nicht überwinden, es zu ändern.

Er entschloss sich, mit seinem Bruder zu sprechen. Der war immer ruhig und vernünftig, und er wusste, dass er einen guten Rat geben konnte.

Sie trafen sich am Abend. Pavel schwieg eine Weile, dann atmete er tief aus:

— Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ich kann nicht mehr in ihrer Nähe sein. Alles an ihr nervt mich.

Ihre Stimme, ihr Aussehen, wie sie durch das Haus geht, wie sie mit den Kindern spricht… Ich fühle mich innerlich leer. Ist das normal?

Der Bruder schwieg eine ganze Weile, dann sah er Pavel an. In diesem Blick spürte Pavel plötzlich, dass der Bruder mehr wusste, als er ihm sagen wollte.

— Verurteilst du mich jetzt? — fragte Pavel scharf. — Man sieht es dir an.

— Nein, das tue ich nicht, — schüttelte der Bruder den Kopf. — Es geht nicht darum.

— Worum dann?

Der Bruder warf einen Blick auf ihn, bevor er leise antwortete:

— Sprich mit Polina, — sagte er. — Es ist kein Geheimnis, aber du musst es wissen.

— Was für ein Geheimnis? Hat sie es dir erzählt?

— Nein, Pasha, ich habe es zufällig erfahren. Sprich einfach ruhig mit ihr, ohne Vorwürfe.

— Ist es eine Krankheit?

— Sprich mit ihr, und du wirst es verstehen.

An diesem Abend sprach Pavel mit Polina. Sie gestand ihm, dass sie sich schon lange schlecht fühlte: Müdigkeit, Erschöpfung, depressive Verstimmungen.

Der Arzt hatte Leukämie vermutet.

Völlig erschüttert versprach Pavel, bei ihr zu bleiben.

Er unterstützte sie, begleitete sie zu Arztbesuchen und versuchte, ihr trotz des schweren Zustands Mut zu machen.

Sie gingen durch Tränen und Ängste, aber nach langer Zeit erklärte der Arzt die Remission.

Jahre später, als Pavel selbst von einer Krankheit betroffen war, die sein Gedächtnis zerstörte, suchte er immer noch Polinas Augen.

Sie war immer an seiner Seite und hielt seine Hand.

— Bist du noch da? — flüsterte er.

— Ich bin immer bei dir, — antwortete sie. — Für immer.