Einen ganzen Monat lang war ihre Tochter nicht nach Hause gekommen. Als die Mutter nachsah, schlug ihr schon am Gartentor ein stechender Gestank entgegen – und sie war entsetzt, als sie unter dem Bett einen Sack entdeckte, den ihr Schwiegersohn dort versteckt hatte…

Einen ganzen Monat lang war ihre Tochter nicht nach Hause gekommen. Als die Mutter nachsah, schlug ihr schon am Gartentor ein stechender Gestank entgegen – und sie war entsetzt, als sie unter dem Bett einen Sack entdeckte, den ihr Schwiegersohn dort versteckt hatte…

Eines Morgens zu Beginn des Monats saß Frau Hanh auf einem Bambusstuhl auf der Veranda und blickte die Straße hinunter, die in die Stadt führte.

Einen ganzen Monat lang hatte ihre Tochter Thuy sie nicht wie gewohnt besucht.

Früher war Thuy jedes Wochenende in ihr Heimatdorf gefahren, hatte sich mit ihrer Großmutter unterhalten und eine einfache Mahlzeit eingenommen.

Doch diesmal herrschte selbst in den Nachrichten Stille.

Frau Hanh versuchte, sie anzurufen, aber die Telefonnummer war nicht erreichbar.

Ein ungutes Gefühl stieg in ihr auf. „Vielleicht ist sie einfach so beschäftigt, dass sie ihre Mutter vergessen hat?“ versuchte sie sich einzureden, doch die Sorge ließ sie nicht los.

An diesem Tag beschloss sie, früh mit dem Bus in die Stadt zu fahren, um ihre Tochter zu suchen.

Das Haus, das Thuy mit ihrem Mann Quan teilte, lag in einer tiefen, engen Gasse.

Kaum ausgestiegen, überkam sie ein Gefühl der Beklommenheit, ohne zu wissen, warum.

Am Gartentor angekommen, schlug ihr ein seltsamer Geruch entgegen, so stark, dass sie sich die Nase mit der Hand zuhielt.

„Bestimmt hat sich Müll angesammelt…“ dachte sie, doch die Gasse war sauber, und die Nachbarn wirkten völlig unauffällig.

Der Geruch kam eindeutig aus dem Haus ihrer Tochter.

Mit zitternder Hand klopfte sie an die Tür. Niemand antwortete. Sie klopfte erneut – wieder keine Reaktion. Vorsichtig drückte sie die Tür auf – sie öffnete sich knarrend.

Im Inneren war es dunkel, die Vorhänge waren zugezogen, kein Licht fiel hinein.

„Thuy! Bist du zu Hause?“ Ihre Stimme zitterte.

Noch immer kein Geräusch. Frau Hanh trat ein, das Klappern ihrer Sandalen hallte durch den stillen Raum.

Der Gestank wurde immer intensiver. Sie tastete nach dem Lichtschalter, doch die Glühbirne flackerte und erlosch.

Im schummrigen Licht des offenen Türrahmens erkannte sie chaotische Möbel, aufgestapelte Teller und verstreute Kleidung auf dem Boden.

„Mein Gott, warum ist das Haus so verwüstet?“ flüsterte sie.

Als sie am Schlafzimmer vorbeiging, hörte sie ein leises Geräusch, als ob jemand hastig etwas verschoben hätte.

Die Tür stand halb offen. Sie zitterte und drückte sie auf. Ein Anblick traf sie wie ein Schlag:

Unter dem Bett lag ein alter, ungewöhnlich großer Sack, bedeckt mit dunklen Flecken. Aus diesem Sack stieg der abscheuliche Geruch auf.

Ihr Herz zog sich zusammen. Sie fiel auf die Knie, ihre zitternden Hände berührten den Sack.

Als sie ihn öffnete, schlug ihr Entsetzen wie ein Blitz entgegen – das lange Haar ihrer Tochter war sichtbar.

„Nein! Das kann nicht sein…“ schrie sie, Tränen liefen ihr über das Gesicht.

In diesem Moment trat eine Gestalt aus dem Badezimmer – es war Quan, ihr Schwiegersohn.

Sein Gesicht war blass, seine Augen dunkel, und als er sie sah, erstarrte er, versuchte sich dann aber zu fassen:

„Mutter… warum sind Sie hier?“

Frau Hanh zeigte zitternd auf den Sack. „Quan… was hast du mit meiner Thuy getan?“ stammelte sie.

Quan verschluckte sich an seinen Worten und machte ein paar Schritte zurück. Ihr entsetzter Blick ließ ihn erkennen, dass er nichts verbergen konnte.

Nach einigen Sekunden des Schweigens setzte er sich, das Gesicht in den Händen:

„Ich… ich wollte es nicht… Wir hatten Streit. Thuy wollte die Scheidung, aber ich habe abgelehnt. In meiner Wut… ich habe…“

Seine Worte schnitten wie Messer in Frau Hanhs Herz. Sie sank auf den Boden, weinte, als hätte sie ihre Seele verloren.

Ihre Tochter, die ihr Leben lang für ihr Kind gekämpft hatte, war in ihrem eigenen Heim Opfer eines schrecklichen Schicksals geworden.

Mit zitternden Händen griff Frau Hanh nach dem Telefon, um die Polizei zu rufen, die Tränen liefen ihr über die Hände.

Quan versuchte, das Telefon zu entreißen, doch sie schrie, ihre Schreie hallten durch die ganze Nachbarschaft.

Nachbarn kamen herbei, sahen die Szene und alarmierten die Behörden. Minuten später traf die Polizei ein, und das kleine Haus füllte sich mit Menschen.

Quan wurde in Handschellen abgeführt, sein Gesicht verzweifelt. Frau Hanh konnte nur den Sack umarmen, als halte sie ihre Tochter fest, und weinte verzweifelt.

Die Nachbarn standen draußen, fassungslos. Jeder wusste um die Konflikte zwischen Thuy und Quan, aber niemand hatte ein so tragisches Ende erwartet.

Auf dem Weg zur Obduktion folgte Frau Hanh, jeder Schritt fühlte sich an, als ginge sie über tausend Messer.

Sie weinte bis zur Erschöpfung und rief ständig den Namen ihrer Tochter:

„Thuy… warum hast du deine Mutter so verlassen? Warum lässt Gott so viel Ungerechtigkeit zu?“

Von diesem Tag an wurde ihr Haar über Nacht weiß. Das kleine Haus auf dem Land blieb leer, nur der Wind rauschte durch den Obstgarten, und Frau Hanh saß still neben dem Foto ihrer Tochter.

Der Schmerz über den Verlust ihres Kindes war eine Wunde, die niemals heilte.

Jeden Morgen saß sie noch auf der Veranda, die Augen auf die ferne Straße gerichtet – doch sie wusste, dass es keinen Bus mehr geben würde, der ihre Tochter zurückbringt.