Ein zehnjähriges Mädchen kam jeden Tag in den Park und schlief etwa 15 Minuten auf einer Bank. Eines Tages konnte ich nicht länger zusehen und wollte herausfinden, warum sie das tat.
Ich näherte mich vorsichtig, als sie bereits aufgewacht war, und fragte leise:
— Entschuldige, stört es dich, wenn ich etwas frage? Warum schläfst du jeden Tag hier? Geht das nicht zu Hause?

Sie sah mich ruhig an, fast wie ein Erwachsener, und nach einer kurzen Pause flüsterte sie:
— Meine kleine Schwester ist vor Kurzem geboren. Mama ist sehr müde. Papa ist nicht da. Sie schläft kaum. Ich versuche zu helfen.
Wenn meine Schwester nachts weint, stehe ich auf, nehme sie auf den Arm, wiege sie, damit Mama wenigstens ein bisschen schlafen kann.
Morgens Schule, dann Hausaufgaben, danach noch im Haushalt helfen.
Ich will nicht, dass Mama merkt, dass ich müde bin. Aber hier kann ich ein wenig schlafen. Niemand sieht mich.

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ein Kloß im Hals, Gänsehaut über den ganzen Körper.
Dieses Mädchen – gerade einmal ein Kind – trug eine Last, die nicht einmal jeder Erwachsene aushalten würde.
Und trotzdem keine Klagen, kein Selbstmitleid – nur Sorge um ihre Mutter.

Seitdem bringe ich ihr heiße Schokolade und ein Brötchen.
Wir sprechen nicht darüber. Wir sitzen einfach zusammen auf der Bank. Und danach gehen wir weiter.
Es zeigt sich, dass manchmal die stärksten Menschen die kleinsten sind.
