Ich habe mich einmal zu einem geschäftlichen Treffen mit einer Frau in einem Café verabredet. Plötzlich begann ihr Handy zu klingeln.
Eines Tages treffe ich mich geschäftlich mit einer jungen Frau in einem Café. Plötzlich klingelt ihr Handy.
„Oh nein!“ ruft sie erschrocken. „Wo ist es nur?“ und sie gräbt hastig in ihrer großen, ledernen Tasche.
Während das Telefon weiter klingelt, sucht sie panisch: „Verdammt, wo ist es?“
Dann trifft sie eine mutige Entscheidung: Sie kippt einfach den gesamten Inhalt der Tasche auf den Tisch.

Drei Lippenstifte, ein schwerer Parfümflakon, verknotete Kopfhörer, Zellophanverpackte Wattepads, grüne Mascara, eine Postkarte mit Bali-Motiv, eine ungeöffnete Packung duftender Kondome, eine große Haarbürste – das alles fällt heraus.
Doch das ist noch nicht alles: Sie schüttelt weiter.
Plötzlich liegt auch ein gestriges Kinoticket für eine Liebeskomödie in einem angesagten Kino auf dem Tisch, ein Buch namens „Wie man Strudel genießt und dabei schlank bleibt“, Essstäbchen aus einem japanischen Restaurant, Feuchttücher, eine halbe Schokolade, ein MacBook, eine rosa Sonnenbrille, ein blauer Regenschirm, schwarze Lackschuhe…

Und schließlich – ihr langersehntes Handy.
Vor mir auf dem Tisch liegt ein komplettes Abbild ihres Lebens. Ich kann meinen Blick kaum abwenden.
Denn tatsächlich ist eine Frau gleichzusetzen mit ihrer Tasche. Alles, was darin steckt, spiegelt sie wider – ihre Sorgen, Hoffnungen und Träume.
Schon das Kinoticket erzählt eine Geschichte: Sie ging allein ins Kino, nicht einmal mit einer Freundin, aber in ein trendiges Lichtspielhaus.
Das zeigt, dass sie im Dunkeln nach jemandem sucht – und diesen Jemand nicht finden kann. Die Kondome bleiben unberührt und schön verpackt.
Ich stelle mir eine TV-Show vor, die sich nur um Taschen dreht: Stars geben ihre Taschen anonym ab, Experten analysieren den Inhalt und beschreiben die Besitzerin.
Und die sitzt irgendwo verborgen und hört zu, wie ihr Leben Stück für Stück enthüllt wird.
„Bin ich wirklich so? Nun ja, irgendwie schon…“
Am Ende betritt sie dramatisch die Bühne, der Applaus brandet auf.

Eine Tasche verrät mehr als jedes Horoskop oder jede Psychoanalyse.
Stars lügen, Psychologen sind oft zweifelhaft – aber die Tasche erzählt die nackte Wahrheit.
Glücklicherweise schweigen Taschen – sonst würden sie zu viel über ihre Besitzerin verraten, oh je!
Deshalb ist die Tasche die beste Freundin.
Die vertrauteste, loyalste und sensibelste Begleiterin. Mädchen kennen das Problem: Sie wollen ständig eine neue Tasche. Immer. Verschiedene Modelle für jeden Tag.
Montags eine schwarze Business-Tasche, dienstags eine braune mit Fransen, mittwochs eine rosa mit goldenen Schnallen… und so weiter, bis zum Sonntag, wo sie vielleicht lieber einen weißen Rucksack oder eine Stofftasche mit der Aufschrift „All you need is love“ wollen.

Doch da gibt es das Problem: Jeden Morgen muss ihr ganzes Leben von der braunen Tasche in die rosa und dann in die Love-Tasche umgepackt werden…
Das kann einen verrückt machen! Kaum hat man sich in einer Tasche eingerichtet, muss man schon eine neue Welt erschaffen.
Gott brauchte sechs Tage für die Schöpfung, ein Mädchen nur fünfzehn Minuten. Nein, besser bei einer Tasche bleiben, in der alles seinen festen Platz hat.
Nur naive, eindimensionale Männer glauben, in einer Mädchentasche herrsche Chaos.
Das ist keine Unordnung, das ist höchste Organisation – genau wie das Handschuhfach ihres Autos, aber das ist eine andere Geschichte.
Frauen besitzen eine magische Gabe: Sie schaffen es, den Platz in der Tasche bis ins Unendliche zu vergrößern.
Einmal schenkte ich meiner Freundin eine kleine Clutch, die ich in Florenz ausgesucht hatte.
Sie war winzig – gerade groß genug für Lippenstift und Handy. Ich drehte sie lange in der Hand und fragte mich, ob sie ihr gefallen würde.
Die Verkäuferin, die ich über ihre zarte, romantische Art informierte, lächelte nur und sagte: „Bene! Perfetto! Diese Clutch ist perfekt, kauf sie!“

So brachte ich ihr die Tasche nach Moskau, sie war begeistert und bedankte sich mit Küssen.
Eines Abends gingen wir ins Theater, sie mit ihrer neuen Clutch.
Mitten im Stück brauchte ich ein Taschentuch, um meine Brille zu putzen. Ich hatte keines dabei. Was tun? Den Saum des Jackets benutzen?
Sie griff in ihre Clutch und zog ein Päckchen Papiertaschentücher heraus. Ich wunderte mich, wie das Päckchen in so eine kleine Tasche passte.
Dann bekam ich Durst, und sie holte sogar eine Flasche Wasser aus ihrer Clutch hervor.
Da vergaß ich fast die Vorstellung und fragte mich nur noch: Wie?! Wie passt das alles in diesen winzigen Raum, der nur für Handy und Lippenstift gedacht ist?
Ich bin sicher, wenn sie plötzlich Hunger auf einen heißen Snack hätte, würde sie nicht nur den Snack hervorzaubern, sondern auch eine Mikrowelle, um ihn aufzuwärmen.

Die Handtasche einer Frau ist ein wahrer Zaubertrick. Sie widerspricht allen physikalischen Gesetzen.
Ein echtes Wunder. Während Physiker und Astronomen Schwarze Löcher erforschen, liegt direkt neben ihnen das größte Rätsel des Universums – die Handtasche einer Frau.
Sie sollten ihr Teleskop mal beiseitelegen und ihre Frau fragen, wie sie es schafft, in einer Tasche ein „Schwarzes Loch“ zu erschaffen!
Das ist das wahre Geheimnis, bei dem alle Nobelpreisträger und sogar Stephen King die Arbeit einstellen sollten.
Doch leider werden sie das Geheimnis nie lüften – die Armen.
© Alexej Belyakov
